Gregor Gardemann

Komponieren zwischen Tango & Kirchenmusik

(12.09.2023)

Der Münchner Komponist Gregor Gardemann spricht mit dem Stretta Journal darüber, wie er seinen Stil mit Hilfe des Tangos gefunden hat, was zeitgenössisches Komponieren bedeutet, und gibt uns Tipps beim Komponieren.

Gregor Gardemann |

Homepage: https://gardemann-komponist.de/ (inkl. kostenloser Notenausgaben)

Gregor Gardemann ist freischaffender Komponist in München. Als klassisch ausgebildeter Berufsmusiker komponiert er mit professionellem Hintergrund. Umfangreiche Studien in Kirchenmusik (mit A-Examen), Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Roland Ploeger, Prof. Victor Suslin, Prof. Hans Gebhardt, sind seine Grundlagen für fundierte künstlerische Tätigkeiten. Zahlreiche, praktische Erfahrungen in der Leitung verschiedener Chöre und Orchester fließen in seine Kompositionen ein.

Gardemann komponiert ebenso virtuos für professionelle Solisten wie einfühlsam für musikalische Laienensembles. Durch sein breitgefächertes Interesse verbindet er künstlerische Werte klassischer Musik mit Lebensfreude, moderner tänzerischer Rhythmen und Melodien.

Alle Noten von Gregor Gardemann bei Stretta Music

Werkkatalog
  • Oper „Turmbau zu Babel“
  • über 30 Mess-Vertonungen für Chor und Orchester, darunter ein Zyklus: „Die 12 Apostel- und Evangelisten-Messen“
  • über 20 Tangos für (Kirchen-) Orchester
  • „Kleine Maiandacht“ – Kantate für Sopran, Flöte und Orgel
  • 1689168 „Offenbarung 20“ – Kantate für Flöte, Violine, Klarinette, Cello, Tenor und Bariton
  • „St. Martin“ – Singspiel für Kinderchor, Flöte und Klavier
  • „Es kommt ein Schiff geladen“ für Kinderchor, Flöte und Orgel
  • geistliche und weltliche Motetten (Chor a cappella)
  • „Die Stimmen“ – Liederzyklus für Mezzosopran und Klavier nach dem gleichnamigen Gedichtszyklus von R. M. Rilke
  • „Musikalische Cartoons“ – sekundenkurze Klavierstücke
  • „Tango-Sonatine“ für Violine und Klavier
  • „Tangos de Amistad“ für Klavier vierhändig
  • „Tango-Toccata & Fuga“ für Klavier vierhändig
  • „Tangos für Sonja“ für Klavier solo
  • „Zwiegespräche“ für Klavier solo
  • „Gesichte der Nacht“ für Klavier solo
  • „Legenden am Kamin“ für Klavier solo

Anfänge

Lieber Herr Gardemann, wann wussten Sie, dass Sie Komponist werden?

Schon als kleiner Junge wollte ich einmal so komponieren können, wie Johann Sebastian Bach. Mich haben vor allem seine Orgelwerke fasziniert, daher auch der starke Bezug zur Kirchenmusik.

Was war die größte Erkenntnis, die Sie aus Ihrer Studienzeit mitgenommen haben?

Dass ich meiner Inspiration vertrauen kann. Aber mir erscheint es nicht richtig, das, was ich alles im Kompositionsstudium gelernt habe, auf eine einzige Erkenntnis zu reduzieren.

Wie haben Sie Ihren Stil gefunden?

Erst Jahre nach meinem Studium habe ich gemerkt, dass ich immer noch die Erwartungen meines verehrten Kompositionslehrers erfüllen möchte. Damit war dann Schluss und ich habe bedingungslos aufgeschrieben, was ich in meinem inneren Ohr höre. Durch aktives Tangotanzen bin ich zu den „Tangos de Amistad“ inspiriert worden. Mit diesen sechs Tangos für Klavier zu 4 Händen habe ich mich „frei komponiert“. Es waren ja „nur Tangos“, die ich anfangs gar nicht so ernst genommen hatte. Und dann merkte ich aber, dass ich mir selber immer näher kam.

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Auszüge aus „Tangos de Amistad“: Intermezzo, Nr. 2 + 3, Nr. 5 + 6

Stil

Wo verorten Sie Ihren Stil? Und wie wird er rezipiert?

Meinen Stil verorte ich tatsächlich in die heutige Zeit, denn ich komponiere mit allen Stilmitteln, die es bislang gegeben hat. Nicht, dass in jedem Stück alles vorkommt, aber im Gesamtwerk gibt es alles. So, wie es heute in einer Stadt einen Computerladen gibt, mit faszinierender Technik, und daneben ein Antiquitätengeschäft. Und vielleicht steht auch in dem Computerladen ein altes Sofa.

Mein Stil wird als modern empfunden. Teilweise bin ich selbst überrascht, dass mein Publikum bestimmte Stücke modern findet. Aber bei genauer Analyse entdecke ich dann selbst das Neue darin, auch wenn die Melodie zunächst traditionell erscheint. Die Melodien nehmen etwa leicht unerwartete Wendungen oder die Tonleitern warten mit ungewohnten Veränderungen auf.

Sehen Sie sich als Komponisten zeitgenössischer Musik?

Es ist zum Glück vorbei, dass man in einem bestimmten Stil komponieren muss, um zeitgenössisch zu sein. Heute sind wir endlich soweit, dass jeder lebende Komponist durch sein Schaffen selbst bestimmt, was zeitgenössisch ist.

Was ist Ihr Schwerpunkt?

Darüber mache ich mir wenig Gedanken, ich folge der Inspiration. Ein Orchestermusiker sagte mal zu mir: „Irgendwie merkt man immer, wenn eine Komposition von Gardemann ist.“ Ich denke, dass zukünftige Musiktheoretiker meinen Stil irgendwann genau beschreiben können. Für mich haben alle meine Kompositionen gemein, dass sie aus einer tiefen Empfindung stammen.

Was bedeutet der Tango für Sie?

Mit dem Tango habe ich mich zum ersten Mal auf die Suche nach meinem eigenen Stil gemacht. So entstanden meine eben erwähnten „Tangos de Amistad“. Musikalische Vorbilder aus dem Tango habe ich nicht. Beim Tangotanzen habe ich die Musik intuitiv aufgenommen. Musik ist für mich nicht nur Klang, sondern innere Bewegung. Und die ist durch das Tanzen verstärkt worden.

Für mich passt der Tango auch in die Kirche: Die meisten meiner Messen enden mit einem Tango. Und eine Zeitlang habe ich extra für den Schluss eines Festgottesdienstes einen Tango für das Orchester komponiert.

Was zeichnet eine gute Komposition aus?

Eine gute Komposition zeichnet sich dadurch aus, dass du dem, was sie ausdrückt, zustimmen kannst. Und eine sehr gute Komposition zeichnet sich dadurch aus, dass sie dich verändert.

Welche Komposition hat Sie verändert?

„Toccata, Adagio und Fuge“ C-Dur BWV 564 für Orgel von Johann Sebastian Bach, alle Orgelwerke von Nikolaus Bruhns, „Die Winterreise“ von Franz Schubert, aber noch viele andere. Diese Stücke haben meinen Horizont erweitert, neue Gedankenwege gezeigt, und danach hatte ich mehr Möglichkeiten, zu denken und zu fühlen.

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J. S. Bach: „Toccata, Adagio und Fuge“ C-Dur BWV 564

Kompositionsprozess

Wie finden Sie Inspiration für neue Werke?

Allein. Der Wunsch, etwas zu komponieren, genügt, und die Inspiration findet mich.

Welche Arbeitsschritte haben Sie beim Komponieren?

Nachdem ich mich habe inspirieren lassen, verinnerliche ich die Rahmenbedingungen. Ich habe das große Glück, dass, wenn ich z. B. etwas für Violine komponieren will, mir nur etwas einfällt, das man auch mit dem Instrument spielen kann. Das gilt für jede Besetzung und die Aufführungsumstände. Von diesem Phänomen bin ich selbst immer wieder fasziniert. Das lässt sich natürlich auch auf mein Studium zurückführen: Wir sind von unserem Professor ermuntert worden, für viele Instrumente Solo-Stücke zu schreiben, in die Klassen der verschiedenen Instrumental-Professoren zu gehen und beim Unterricht zu hospitieren. So „sickert“ das Wissen ins Unterbewusstsein, aus dem dann auch die Einfälle kommen.

Als nächstes kommt der handwerkliche Teil. Ich notiere die Musik so, dass jemand anderes versteht, was ich meine. Notation ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Handwerks.

Und am Ende: prüfen, prüfen und nochmal prüfen, ob es wirklich meine hundertprozentige Zustimmung findet. Die Überprüfung ist ein sehr intimer Prozess, das Stück wird immer wieder und wieder „erlebt“ – manchmal beim Durchlesen, beim Durchspielen oder einfach nur im Geiste oder beim Motorradfahren.

Was war die schwierigste Besetzung, für die Sie komponiert haben?

Die Kategorie Schwierigkeit der Besetzung gibt es bei mir nicht. Die Besetzung gehört für mich zu den Rahmenbedingungen, die Einfluss auf die Inspiration haben. Es gibt eigentlich keine Schwierigkeiten für mich. Nur eines kann ich nicht: Unterhaltungsmusik.

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Drei Weihnachtslieder aus: Liederheft für Frauenchor

Kirchenmusik - Portal

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Ausblick

Welche Tipps können Sie angehenden Komponist:innen mit auf den Weg geben?

  • Tipp 1 : Übe das Handwerk, damit es dir nicht im Wege steht.
  • Tipp 2 : Analysiere die Werke der großen Meister, um herauszufinden, was sie getan haben. Keine Note ist zufällig!
  • Tipp 3 : Entwickle die Hartnäckigkeit so lange, immer wieder von vorne anzufangen, bis du hundertprozentig einverstanden bist.

Welche musikalischen Felder möchten Sie noch betreten?

Ich habe bis jetzt erst eine Oper geschrieben („Turmbau zu Babel“). Da schlummern noch ein paar Ideen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen (tot oder lebend)?

Eigentlich würde ich alle großen Meister mal treffen wollen. Einerseits, um ihnen für den größten Teil ihrer Werke meine Hochachtung auszudrücken, und andererseits, um sie für den anderen Teil zur Rede zu stellen.

Vielen Dank für Ihre spannenden Einblicke!

Noten von Gregor Gardemann

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